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» Frühzeitiges Erkennen der eigenen Fähigkeiten durch Praktika schützt vor Enttäuschung Ein Gespräch mit Beate Fernengel, Präsidentin der IHK Potsdam

Frühzeitiges Erkennen der eigenen Fähigkeiten durch Praktika schützt vor Enttäuschung Ein Gespräch mit Beate Fernengel, Präsidentin der IHK Potsdam

Foto: Frühzeitiges Erkennen der eigenen Fähigkeiten durch Praktika schützt vor Enttäuschung Ein Gespräch mit Beate Fernengel, Präsidentin der IHK Potsdam

IHK-Präsidentin Beate Fernengel. Foto: sg

Foto: Frühzeitiges Erkennen der eigenen Fähigkeiten durch Praktika schützt vor Enttäuschung Ein Gespräch mit Beate Fernengel, Präsidentin der IHK Potsdam

IHK-Präsidentin Beate Fernengel. Foto: sg

Nutzt alle Chancen, die sich bieten!


Nutzt alle Möglichkeiten, Euch über die unterschiedlichen Ausbildungsangebote zu informieren", rät Beate Fernengel Oberschülern. Die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam weiß, wie wichtig es ist, schon während der Schulzeit einen Einblick in verschiedene Berufsfelder zu bekommen. Praktika seien hervorragend dafür geeignet, und zwar nicht nur das obligatorische Schülerpraktikum in der neunten Klasse.

Denn Tatsache ist immer noch, dass viele Schüler dabei den einfachsten Weg gehen und das Pflichtpraktikum in einem Unternehmen absolvieren, in dem schon viele andere Schüler vorangegangener Jahrgänge waren - oder einfach im Betrieb ihrer Eltern. Dort lernen sie dann meist Berufe kennen, die sie gar nicht wirklich interessieren. Fast jeder Ausbildungsbetrieb in Brandenburg kann aber auch ein von der Schule unabhängiges Praktikum, zum Beispiel in den Ferien, anbieten. Unternehmen gebe eine solche "Probezeit" die Chance, Auszubildende zu finden, die sich wirklich für den ausgewählten Beruf interessieren und Fähigkeiten mitbringen, die gerade dort gesucht werden, sagt die IHK-Präsidentin.

Für die Praktikanten, die einen Teil ihrer Ferien opfern, um sich auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten, hat ein freiwilliges Praktikum den Vorteil, dass es Einblick in eine Arbeitswelt bietet, die sie vorher nicht kannten. Gleichzeitig vermittelt es die Gewissheit, die richtige Wahl getroffenzu haben, wenn man sich im gleichen Betrieb oder einem anderen der Branche für einen Ausbildungsplatz bewirbt, weiß Beate Fernengel. Und falls es anders ausgeht: Auch die Erkenntnis, dass ein bestimmter Beruf ganz und gar nicht der richtige ist, kann viel wert sein. In jedem Fall rät die erfahrene Hoteldirektorin, die selbst Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Söhnen ist, sollte jeder eingeschlagene Weg zu Ende gegangen werden. Wer eine Ausbildung beginnt, sei gut beraten, sie auch durchzuziehen und nicht immer wieder von vorne anzufangen.

"Durchbeißen" war auch Beate Fernengels Devise, als sie zu DDR-Zeiten mit ihrer Ausbildung zur Wirtschaftskauffrau begann. Eigentlich wollte sie damals Tankwartin werden. Diese Ausbildung war beim Volkseigenen Betrieb Minol für Mädchen aber nicht vorgesehen. Andere Mineralölkonzerne gab es in der DDR nicht. Minol bot ihr stattdessen eine Ausbildung im Büro an. So musste Fernengel in den sauren Apfel beißen und einen ganz anderen als ihren Wunschberuf lernen. Später diente ihr diese Grundlage als Basis für eine Managementausbildung, die sie bis in die Chefetagen großer Hotels brachte.

Das Beispiel der heute 50-Jährigen, die sich in den 1990er Jahren mit zwei kleinen Kindern allein durchgeboxt und gleichzeitig eine Weiterbildung selbst finanziert hat, zeigt, dass man alles erreichen kann, wenn man nur will. Mit 37 Jahren hatte sie ihr Ziel erreicht und war Direktorin eines großen Hotels. In vielen Ausbildungsberufen reicht ein Mittlerer Schulabschluss, wenn Leistungen und Motivation stimmen. Und wer mit dem Abitur eine Ausbildung beginnt, hat oftmals die Möglichkeit, sie auf zwei Jahre zu reduzieren. Wichtig sei vor allem, frühzeitig die eigenen Fähigkeiten zu erkennen und mit Eltern und Großeltern darüber zu sprechen, um von ihren Erfahrungen zu profitieren, so Fernengel. Auch ein Blick in die Lehrstellenbörsen von IHK oder Arbeitsamt gemeinsam mit Erwachsenen, die Euch gut kennen, lohnt sich immer. Sabine Gottschalk